Ausstellungen




















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Hans-Joachim Hespos mit Joan Carroll, 1971 während der Probe von „palimpsest“ (1972)



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Hans-Joachim Hespos, AIR 2, 2002, Streicher, Schlagzeug solo, Editionsnr. H 133 E



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Hans-Joachim Hespos, STITCH, 2002, für elektrifiziertes Akkordeon , E-Bass (fretless), hybride elektrische Wandler und achtkanalige Abstrahlung, Editionsnr. H 136 E



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Hans-Joachim Hespos, Sns, 1975, Orgel, Editionsnr. HE 30



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Das Triadische Ballett von Oskar Schlemmer (1922),
Auftragsproduktion Akademie der Künste, UA 1977
Musik: Hans-Joachim Hespos
Neuproduktion 2014, Ein Tanzfonds Erbe Projekt
Bilder: ©Wilfried Hösl







hespos
das auge im ohr

11. November 2019 bis 5. Januar 2020

Eröffnung: 10. November 2019, 17:00 Uhr
Pressetermin: Donnerstag, 7. November, 11:30 Uhr

-> Flyer zur Ausstellung zum Download/Ansehen (PDF, 2,7 MB).

-> Veranstaltungen zur Ausstellung

-> Flyer zu den Veranstaltungen zum Download/Ansehen (PDF, 2,7 MB).


Im Dezember 1969 initiiert der junge Avantgardekomponist Hans-Joachim Hespos gleich zwei Konzerte Neuer Musik in Delmenhorst. Nach einem ersten Konzert im Theater Kleines Haus findet in der Villa des Dr. Herrmann Coburg ein Privatkonzert statt. Ein experimenteller Abend, bei dem der Schweizer Komponist Giuseppe Englert ein Stück elektroakustischer Musik präsentiert. Mit diesen beiden Konzerten, die wie der Bug- und Heckknall eines Überschallfluges die Kulturszene aufscheuchen, bläst Hespos zum Aufbruch. Neue Musik hat seit diesen Tagen in Delmenhorst eine Bühne gefunden. Einmal pro Jahr, inzwischen immer am 11. November und unter der Federführung des städtischen Kulturbüros, findet der Konzertabend „neue musik in delmenhorst“ statt. Ein kleines Kulturwunder in einer Stadt, die jetzt das 50. Jubiläum dieser Reihe feiern kann. Für die Städtische Galerie Delmenhorst, Haus Coburg, ist dies Anlass genug eine umfassende Ausstellung zu zeigen, die dem Phänomen Hespos eine Facette hinzufügt.

Die Ausstellung „hespos. das auge im ohr“ eröffnet am Vortag des fünfzigsten Konzertabends. Widmet sich die Schau vor allem der eindrucksvollen Bildhaftigkeit der Hespos-Partituren, gilt ihr Blick deren Qualitäten als komponierte Grafiken im Zusammenspiel mit ihrer sprachlichen Poesie und dem inhärent Performativen, stellt sie die für jeden Komponisten und Musiker relevante Frage, in welchem Verhältnis Notenschrift und Klangereignis zueinanderstehen. Es geht um die Frage, ob und wie sich Musik notieren lässt – „diese Erscheinung, die da so ungriffig im Luftraum schwingt und auf Haut und Knochen trifft“? (redeZeichen, 2000, S. 134)

Hespos‘ Noten, die die interpretierenden Ensembles nie als Einzelstimme, sondern immer als Komplettversion erhalten, sind ein Hybrid aus traditionellen und höchst individuellen Notationssystemen. Kommen Sprache, Notenzeichen und Numerisches auf dem Partiturbogen zusammen, zeigt sich, mit den Augen des Kunstwissenschaftlers gesehen, eine Vielfalt von Bezügen u.a. zu John Cage, zur Fluxusbewegung wie auch zur zeitgenössischen Zeichnung. Ebenso gibt es reichlich Bezüge zur visuellen Poesie. Gemeint sind die Vielzahl der Neologismen und Lautmalereien in den Partituren, all die kraftvoll-körperbezogenen, oft auch lakonischen, geflüsterten, dann wieder explosiven Spiel- und Dynamikanweisungen. Was Hespos so zu Papier bringt, ist Stück für Stück das Versprechen eines akustischen Grenzphänomens. In diesem Sinne sieht sich der rebellische Komponist als „anstifter, als täter“ (Höre Hespos!, 2011, S. 15); Überraschung und Peripetie sind für ihn entscheidende Momente und die Überforderung der Musiker wie des (maximal wachsamen) Publikums sind Programm. Hespos' Notationen – jedes seiner Konzerte – sind ein konfrontatives Experiment auf hohem Niveau.

Rund 40 Partituren unterschiedlicher Seitenanzahl, Beispiele von 1963 bis 2018, stellt die Ausstellung „das auge im ohr“ vor. Sie zeigt Stücke, die ganz unterschiedlich inspiriert sind: von der Natur, von Stille, von Klängen und Geräuschen des Alltags, von andrängenden Themen der Zeit, von Poesie und Malerei, nicht zuletzt von einer kenntnisbasierten Lust an erweiterten instrumentalen Spieltechniken, letztendlich immer von der Lust am Unbekannten, Unerhörten. Die Auswahl setzt auf Kontrast und Varianz; natürlich hat sie Hespos selbst – wer sonst – getroffen. Solostücke, Kammermusik, Bühnen-, Ensemble-, Orchester- und Chor-Kompositionen sind zu sehen. Eine Auswahl, die es auch möglich macht, die Veränderung der Hespos’schen Notengrafik über Jahrzehnte hinweg nachzuvollziehen. Fotografien, Filmmaterial, Bücher und Objekte ergänzen die Auswahl, außerdem gibt es digitalisierte Hörbeispiele begleitend zu einzelnen Partituren.

Im Jahr des 100jährigen Bauhaus-Jubiläums setzt die Ausstellung „das auge im ohr“ u.a. bei der Hespos-Komposition für Oskar Schlemmers „Das Triadische Ballett“ aus dem Jahr 1977 einen Schwerpunkt. Außerdem ist beispielhaft die Opernkomposition „iOPAL“, 2001 als Auftragsarbeit für das Staatstheater Hannover komponiert und 2005 zur Uraufführung des Jahres gewählt, ein ganzer Raum gewidmet. Dort geben die Hespos-Partitur, Fotos, Kostüme vor allem aber das Arbeitsbuch der renommierten Regisseurin und Bühnenbildnerin Anna Viebrock und ihr Bühnenmodell einen anschaulichen Eindruck der umstrittenen Inszenierung.



 



Wir danken für die großzügige Unterstützung:






 























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Pia Pollmanns, Die Wege der Elisa Kosch, Luboradz 03, 2015, Digital, Pigment Print



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Pia Pollmanns, Die Wege der Elisa Kosch, Luboradz 03, 2015, Digital, Pigment Print



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Pia Pollmanns, Die Wege der Elisa Kosch, Szczepanów 10, 2015, Digital, Pigment Print









Remise


Pia Pollmanns
Die Wege der Elisa Kosch

22. November 2019 bis 15. März 2020

Eröffnung: Donnerstag, 21. November 2019, 19:00 Uhr
Pressetermin: Dienstag, 19. November, 11:30 Uhr

-> Flyer zur Ausstellung zum Download/Ansehen (PDF, 582 KB).

-> Veranstaltungen zur Ausstellung


Die Bremer Künstlerin Pia Pollmanns (* 1980 in Wülfrath) zeigt in der Remise der Städtischen Galerie Delmenhorst rund 40 fotografische Arbeiten ihres Projektes „Die Wege der Elisa Kosch“. Die Großmutter der Künstlerin, Elisabeth Koschnicke, lieferte mit ihren autobiografischen Aufzeichnungen – mit einem Manuskript über ihre Vertreibung und Flucht aus Schlesien – den entscheidenden Anstoß für diese Serie. In den Jahren 2013 bis 2016 tritt Pia Pollmanns sechs Reisen nach Polen an; jeder dieser Reisen folgten inhaltliche und ästhetische Revisionen, die in idealer Weise dazu geeignet waren, ein klares fotografisches Konzept zu entwickeln. Eine kompromisslos im fotografischen Stil des Dokumentarischen gehaltene Werkgruppe entsteht. Bilder, mit denen die Fotografin auf einem schmalen Grat zwischen Dokumentation und Abstraktion wandelt. Wer „Die Weg der Elisa Kosch“ in der Delmenhorster Schau entlangspaziert, spürt eine über Generationen weitergetragene Unruhe, die in den balancierten, sich oft der Symmetrie annähernden Kompositionen zur Ruhe zu kommen scheint; in einer Leere, die erfüllt ist von dem tiefen Schweigen, das Jean Baudrillard als das eigentliche Vermögen des fotografischen Bildes beschrieb. Weit entfernt vom beredten Ausgangspunkt der großmütterlichen Aufzeichnungen sind die Fotografien von Pia Pollmanns still – und sie stillen ein Bedürfnis, das in vielen Menschen nagt. In diesem Sinne können sie auch eine Projektionsfläche für all diejenigen sein, die nach einer alten oder neuen Heimat suchen.

Die Ausstellung wird durch eine Audioversion des großmütterlichen Memoiren-Textes ergänzt, außerdem ist ein sorgfältig erarbeiteter Katalog im Snoeck-Verlag erschienen (dt./engl., mit Texten von Elisa Kosch, Alejandro Perdomo Daniels und Annett Reckert, 152 Seiten, mit 45 farbigen Abbildungen, Format 19 x 24,5 cm, Hardcover, Preis 39,80 €)



 



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